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Reinhold Ulonska war über 25 Jahre Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) und ist weltweit anerkannter Bibellehrer sowie Autor zahlreicher Bücher und Standardwerke.

Wenn ich hier von der Geistestaufe rede, so tue ich das als Vertreter der klassischen Pfingstbewegung, denn die pfingstliche Lehre von der Geistestaufe als ein spezielles Erlebnis wird, vor allem bei uns in Deutschland, von einer Reihe unserer charismatischen Brüder und Freunde immer noch bestritten und ist für viele ein Stein des Anstoßes.

Ich bin immer betrübt, wenn man der Pfingstbewegung unterstellt, sie lehre einen mehrstufigen Heilsweg. Aber die Pfingstbewegung, mit Ausnahme weniger Außenseiter und Extremisten, hat noch nie einen zwei oder mehrstufigen Heilsweg gelehrt. Sie lehrt zwar viele Erfahrungen mit Gott, dem Heiligen Geist, aber niemals einen mehrstufigen Heilsweg. Diese weiteren Erfahrungen mit dem Heiligen Geist sind Schritte auf dem Heilsweg, den wir mit der Wiedergeburt betreten haben, aber keine Stufen. Eine Stufe bedeutet ja immer eine Überhöhung des Vorherigen. Aber wir glauben nicht, dass der Christ durch die Geistestaufe eine höhere Stufe einnimmt und auf andere herabschauen kann. Er ist auf dem Weg der Gnade einen Schritt weitergegangen. Er hat eine neue wichtige Erfahrung gemacht, durch die ihm Christus größer und sein Christenleben vertieft und bevollmächtigt wird.

Ich hielt einmal einen Vortrag vor einer Pastorenkonferenz. Diesem Vortrag folgte eine Aussprache. Dabei wurde mir die Frage gestellt: "Kann es denn überhaupt noch mehr geben als die Gotteskindschaft? Das ist doch die Grunderfahrung. Wer diese Erfahrung gemacht hat, hat den Heiligen Geist und damit alles?! " Meine Antwort war: "Es gibt nicht mehr Heil als die Gotteskindschaft, aber es gibt mehr für Gotteskinder als die Grunderfahrung." So ist zum Beispiel unsere Verwandlung in das Bild Jesu ein Werk des Heiligen Geistes. Nach Römer 8,11 wird ebenso einmal unsere Auferstehung eine Erfahrung mit dem Heiligen Geist sein. Nach der Wiedergeburt, und auch nach der Geistestaufe, gibt es weitere herrliche, wichtige und wunderbare Erfahrungen durch den Heiligen Geist, die natürlich alle machen klar, dass "mit Heiligem Geist getauft werden" eine besondere, zusätzliche Erfahrung ist.

Die Erfahrung, die die Jünger zusätzlich zu allem, was sie jetzt schon hatten, machen sollten, wurde "mit Heiligem Geist getauft" genannt. Nicht die Überführung von der Sünde oder die Gewissheit der vollbrachten Erlösung durch Jesus sowie Seiner Auferstehung. Alles dieses hatten sie ja vor Pfingsten. Die Geistestaufe war eine zusätzliche spezielle, geistliche Erfahrung, die ihnen trotz aller bisherigen Erfahrungen noch fehlte.

Wir müssen eine Unterscheidung zwischen dem Pfingstereignis und der Pfingsterfahrung der Jünger machen. Das Pfingstereignis ist einmalig und unwiederholbar. Es hat eine heilsgeschichtliche Dimension.

Als Jesus auf Erden war, war Er der Paraklet seiner Jünger. In 1. Johannes 2,1 wird Jesus der Parakletos genannt: "So haben wir einen Parakletos bei Gott,... einen Fürsprecher, der für uns eintritt..." In Seinen Abschiedsreden sagt Er: "Einen anderen Parakleten (Tröster) wird Gott senden." Mit diesem Wort "einen anderen" sagt Er, dass Er sich bis jetzt als ihr Parakletos (Beistand, Helfer) verstand. Das, was Jesus, als Er auf Erden lebte, an den Jüngern persönlich durch Augenzeugenschaft, Miterleben, Wort, Handreichung und Zuspruch wirkte, das wirkt jetzt alles, nach dem Kommen des anderen Parakleten, der Heilige Geist. In diesem Sinne ist Heilserfahrung heute die heilsentscheidende Wirkung des Heiligen Geistes. Er überführt von der Sünde, von der Gerechtigkeit, vom Gericht. Sein Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

Weil der Heilige Geist als der "andere Paraklet" zu Pfingsten in die Welt kam, wirkt Er jetzt alles das, was die Jünger durch Jesus selbst bekamen. Aber darüber hinaus soll Er auch die Erfahrung schenken, die die Jünger bis Pfingsten nicht hatten. Diese besondere Erfahrung nennt das Neue Testament Geistestaufe. Erst mit dieser zusätzlichen, besonderen Erfahrung erfüllte sich das Wort: "Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." Die Apostel selber beriefen sich später bei einer ähnlichen Erfahrung darauf: "Da dachte ich an das Wort des Herrn: »Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden.«"

Das Pfingstereignis ist tatsächlich mehr als diese spezielle Pfingsterfahrung der Jünger. Das Pfingstereignis ist das heilsgeschichtliche Kommen des Heiligen Geistes in die Welt und die Übernahme des Parakletendienstes für die gesamte Menschheit. Mit Pfingsten begann eine neue Epoche, die Epoche des Geistes, in der wir jetzt leben (2. Korinther 4,6). Der Heilige Geist führt jetzt als der andere Paraklet in das hinein, was die Jünger auch schon vor Pfingsten hatten, aber gibt zusätzlich die Geistestaufe, die die Jünger erst zu Pfingsten empfingen. In unseren Tagen ruft der Herr durch den Heiligen Geist zur Umkehr und zur Nachfolge, überführt von Sünden, schenkt lebendigen Glauben und Frieden. So lässt Er uns Erlösung erfahren und der Annahme als Gotteskind gewiss werden. Aber nicht alles, was der Geist seit Pfingsten wirkt, wird im Neuen Testament "Geistestaufe" genannt, sondern nur eine an Pfingsten gemachte spezielle Erfahrung. So ist also zu unterscheiden zwischen Pfingstereignis (Kommen des Heiligen Geistes in die Welt als der andere Paraklet) und der Pfingsterfahrung der Jünger, (dem "getauft werden mit dem Heiligen Geist").

Diese Pfingsterfahrung war für die Jünger keine nebensächliche Hobbyerfahrung. Der Herr Jesus befahl ihnen, dass sie nicht von Jerusalem wichen, sondern auf die Verheißung des Vaters, auf das Getauft werden mit dem Heiligen Geist warteten. Diese Geistestaufe war nicht die Heilserfahrung der Jünger, sondern Ausrüstung zum Dienst mit Kraft aus der Höhe (Apostelgeschichte 1,8): "Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommen wird, und werdet Meine Zeugen sein."

Zu Pfingsten kam der Heilige Geist in die Welt, aber die Welt wurde nicht geistgetauft, sondern nur die Menschen, die schon das Heil hatten. Das heilsgeschichtliche Pfingstereignis ist unwiederholbar im Gegensatz zur Pfingsterfahrung der Jünger. Die Geistestaufe als Erfahrung war und ist wiederholbar.

Es ist doch erstaunlich, wie Pfingstereignis und Pfingsterfahrung verwechselt werden. Viele Christen sagen: "Pfingsten ist unwiederholbar und einmalig, deshalb kann es die Erfahrung einer Geistestaufe, Zungenrede und Kraftwirkungen nach Pfingsten nicht mehr geben." Da muss man ihnen die Frage stellen: "Was war denn eigentlich im Hause des Kornelius?" "Ja", sagt man dann, "das war das Pfingsten der Heiden." Also gibt es zwei Pfingsten nach ihrer Meinung! "Und was war denn in Samaria?" "Das war das Pfingsten der Samariter!" Demnach hätte man schon drei Pfingsten. Pfingsten wäre kein einmaliges Ereignis. Wenn man den Unterschied machen würde zwischen dem Pfingstereignis, in seiner Einmaligkeit, und der Pfingsterfahrung der Jünger, dann wäre das Problem gelöst. Nicht Pfingsten hat sich wiederholt, sondern die Pfingsterfahrung der Jünger. Diese Pfingsterfahrung ist genauso wiederholbar wie die Wiedergeburtserfahrung und der Empfang der Heilsgewissheit. Das ist heute noch möglich, ohne dass deswegen die Einmaligkeit des Pfingstereignisses auch nur irgendwie berührt wird. Bei der Einmaligkeit des Pfingstereignisses wird die persönliche Erfahrung der Geistestaufe in der Bibel ohne jede Hemmung bezeugt.

In Apostelgeschichte 8,12-16 wird uns berichtet, dass durch den Dienst des Philippus in Samaria eine Erweckung ausbrach und viele Menschen gläubig wurden, u. a. auch Simon der Zauberer. Sie wurden gläubig und ließen sich taufen. Aber der nächste Satz sagt: "Da es aber vor die Apostel in Jerusalem kam, dass Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, da sandten sie Petrus und Johannes, dass sie mit ihnen beteten, damit sie den Heiligen Geist empfingen, denn Er war noch auf keinen von ihnen gefallen." Sie waren also gläubig, hatten das Wort angenommen und doch: Eine bestimmte Erfahrung, "das Fallen des Geistes auf sie", hatten sie noch nicht gemacht. Diese Erfahrung wurde erst später unter der Handauflegung und dem Gebet von Petrus und Johannes geschenkt.

Ähnlich ist es in Apostelgeschichte 9,17. Christus begegnet auf dem Wege nach Damaskus dem Saulus von Tarsus. Er erkennt Jesus als den Herrn, erblindet, betet und wartet auf Gottes Wegweisung. Gott sendet einen Boten, der mit ihm beten soll, "dass er wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt" würde. Dass es sich hier nicht um die Wiedergeburt handelt, geben alle zu, die sonst immer sagen, die Pfingsterfahrung ist die Wiedergeburt. Paulus hatte ja Jesus durch den Heiligen Geist einen Herrn genannt und sich ganz unter Seinen Willen gestellt. Er war schon ein auserwähltes Werkzeug Gottes und berufen zu dem Dienst unter den Völkern. Was er jetzt empfing war eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist.

In Apostelgeschichte 10 haben wir den bekannten Bericht über Kornelius. Wir sehen an dem Verhalten des Petrus, wie schwer es doch ist, sich von Vorurteilen zu lösen. Seine Vorurteile hinderten ihn, ein klares Wort Jesu richtig zu verstehen. Die Worte "Gehet hin in alle Welt, predigt aller Kreatur", erfuhren durch seine nationalorientierte Frömmigkeit starke Einschränkungen. Petrus weigerte sich zunächst, in das Haus des Kornelius zu gehen. Gott musste ihn durch ein Gesicht erst willig machen, diesen Weg zu gehen. Heiden gehörten für ihn immer noch nicht zur erlösten Kreatur. Dass Gott auch "unreine Heiden" reinigen kann, das war ihm zuviel. Erst nach der göttlichen Belehrung geht er zu ihm und fängt an zu predigen. Während er predigt, fällt der Heilige Geist auf die "Heiden", und sie preisen Gott in neuen Zungen. Die Männer, die mit Petrus gekommen waren, verwunderten sich, dass auch auf die Heiden der Heilige Geist ausgegossen wurde. Petrus sagt: "Sie haben den Heiligen Geist empfangen gleich wie auch wir." Als er später wegen der Heidentaufe angegriffen wird, verteidigt er sich mit den Worten: "Sie haben doch den Heiligen Geist empfangen gleich wie wir am ersten Anfang" (Apostelgeschichte 11,13-15).

Es gibt heute Christen, die zwischen der Pfingsterfahrung und den späteren, in der Apostelgeschichte berichteten Geisteserfahrungen, grundsätzlich Unterschiede feststellen wollen. Zu Pfingsten wäre ein völlig anderes Zungenreden aufgetreten als an den anderen Stellen des Neuen Testaments. Einige kommen dabei auf vier verschiedene Zungenreden. Das Zungenreden von Pfingsten war einmalig und total anders, als alles spätere Auftreten dieser Gabe. Aber der Apostel Petrus bezeugte über das Geschehen im Hause des Kornelius: Es war "wie bei uns am ersten Anfang". Also, die Verstehbarkeit der Zungenrede war nicht das Kennzeichen für das gleiche Erlebnis, sondern der Empfang einer nicht gelernten Sprache, in welcher sie Gott priesen und lobten.

Für Petrus und seine Begleiter, für diese Augen und Ohrenzeugen, waren das Ereignis von Pfingsten und das Ereignis im Hause des Kornelius absolut das gleiche. Die Umstände mögen verschieden gewesen sein, aber es war für sie die gleiche Erfahrung.
Apostelgeschichte 19,5-6. Paulus kam nach Ephesus, findet dort einen Kreis von Jüngern und fragt. "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?" Diese Frage ist für manch einen Christen von heute nicht zu verstehen. Doch Paulus hatte für solch eine Frage sicher Gründe, die gar nicht so schwer zu begreifen sind. Vielleicht hat er vermisst, dass sich Geistesgaben äußerten, dass dort jemand in Zungen betete usw. Es gab etwas, das ihn stutzig machte. Er behauptet nicht gleich: "Ihr habt den Heiligen Geist nicht empfangen"; aber er fragt. Dabei stellt er fest, dass diese Jünger noch nicht wussten, ob der Heilige Geist schon da sei. Nach Belehrung werden sie auf den Namen Jesu getauft und empfangen unter Handauflegung Heiligen Geist, reden in Zungen und prophezeien.

Wir sehen also: die Pfingsterfahrung wiederholte sich und pflanzte sich fort. Kirchengeschichtliche Zeugnisse könnten hier mühelos angefügt werden. Eine fast lückenlose Kette von Zeugen zeigt, dass die Pfingsterfahrung nicht einmalig blieb.  Bis ins vierte Jahrhundert erwartete man selbstverständlich, dass Christen nach der Taufe den Heiligen Geist empfingen, in Zungen redeten und prophezeiten. So wird es in den Urkunden berichtet.

Man hat immer behauptet, wir verträten mit der Anschauung, dass ein Unterschied zwischen der Heilserfahrung und dem Kraftempfang in der Geistestaufe besteht, eine neue Lehre. Doch wir haben nur eine alte Lehre wieder neu entdeckt. Ein Blick in die alten, vorreformatorischen Kirchen macht es klar. Ob das die römischkatholische Kirche ist, die orthodoxe Kirche, die koptische Kirche oder die Kirche der sogenannten "ThomasChristen " in Indien, oder noch andere alte christliche Gruppen: Alle diese alten Kirchen bezeugen durch ihre Riten oder Sakramente immer zwei unterschiedliche wichtige Geisteserfahrungen. Die Heilserfahrung binden sie alle an die Taufe, die für sie das Sakrament der Wiedergeburt ist. Ohne diese "Wiedergeburt" ist jeder Mensch verloren deshalb kennen sie die Nottaufe. Sie bezeugen damit, dass die Wiedergeburt die Heilserfahrung ist obwohl sie zu einem Sakrament verfälscht wurde. Alle diese Kirchen kennen noch ein zweites Sakrament: Die Firmung zum Empfang der Kraft des Heiligen Geistes. Die Lehre von der heilsentscheidenden Grunderfahrung und der Erfahrung der Geistestaufe ist also nicht neu. Diese Lehre ist alt und wird durch diese zwei Sakramente als ursprüngliche neutestamentliche Erfahrung wenigstens bezeugt.
Die Pfingsterfahrung, die die Jünger machten, sollte nicht auf damals beschränkt bleiben. Wir lesen in Apostelgeschichte 2,38-39: "Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die noch ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird." Das heißt doch: Solange Gott noch ruft, gilt diese Verheißung und soll diese Erfahrung gemacht werden. Für die Christen der ersten Jahrhunderte war sie ganz normal. Diese Erfahrung wurde entweder unter Handauflegung oder beim Hören des Wortes oder im persönlichen Gebet gemacht. Diese obengenannte Verheißung will auch uns Mut machen, uns nach der Kraft aus der Höhe auszustrecken, um so angetan zu werden mit dem Heiligen Geist, für ein besseres Zeugnis und besseren Dienst für den Herrn. Durch diese Erfahrung soll die Liebe zum Herrn wachsen und das Leben Ihm ähnlicher werden.

Das Alte Testament zeigt im Blick auf das Kommen des Heiligen Geistes zwei prophetische Verheißungslinien. Die eine Verheißungslinie redet von dem, was wir Wiedergeburt nennen, das heißt von der Erneuerung des Menschen durch den Geist Gottes, zum Beispiel in: Hesekiel 36,26-27.

Da heißt es: "Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus euch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will Meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in Meinen Geboten wandeln und Meine Rechte halten und danach tun." 

Auf Grund dieser Schriftstelle hatte Jesus recht, dem Nikodemus einen Vorwurf zu machen, dem die Botschaft von der Wiedergeburt offensichtlich völlig fremd war "Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?!" Als Lehrer Israels studierte er das Alte Testament und sollte alle Wahrheiten lehren. Das Wunder der Wiedergeburt im Sinne des Neuen Testaments war durch die Propheten deutlich beschrieben. Die neue Heilszeit sollte durch eine neue grundlegende Geisteserfahrung gekennzeichnet werden. Ohne Wiedergeburt bleibt das Reich Gottes verschlossen. Das ist die eine Verheißungslinie.

Was die Jünger zu Pfingsten erlebten, erklären die Apostel aber nicht mit Hesekiel 36, sondern sie nehmen Bezug auf Joel 3: "Das ist das, was geschrieben steht im Propheten Joel." Das ist die zweite Verheißungslinie. Diese spricht von der Ausgießung des Heiligen Geistes und der damit verbundenen Ausrüstung zu einem bevollmächtigten Zeugnis. Neben der Verheißung der Lebenserneuerung, als Kennzeichen des Neuen Bundes, läuft parallel die Verheißung der Ausrüstung mit der Kraft des Heiligen Geistes und mit Charismen.

Der prophetische Geist, der im Alten Testament auf Einzelpersonen und oftmals auch nur zu bestimmten Anlässen gegeben war, soll jetzt eine Allgemeinerfahrung werden: "Eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, eure Ältesten sollen Traumgesichte haben..." (Joel 3). Die beiden Verheißungslinien laufen nicht gegeneinander. Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille: Die Lebenserneuerung ist das grundlegende Heilswerk des Heiligen Geistes, aber die Ausrüstung mit Kraft und Gaben ist ein wichtiges anderes Werk desselben Geistes. Er wirkt nicht nur die Wiedergeburt, Er schenkt uns auch die Geistestaufe und die Geistesgaben.

Die Geistestaufe kann sehr wohl von der Heilserfahrung unterschieden, aber nicht von ihr geschieden werden. Sie ist keine abgekoppelte Erfahrung, sondern sie ist die Folge der Heilserfahrung. Sie kann nur dort erfahren werden, wo man von neuem geboren ist und um Vergebung der Sünden durch das Blut Jesu Christi weiß.

Es geht aber nicht an, dass man einen Heiligungsstand zur Basis für den Empfang der Geistestaufe macht, denn dann wäre sie keine Gnadenerfahrung. Deswegen ist aber auch für uns der Geistgetaufte nie ein Christ höherer Klasse. Die Geistestaufe ist kein Rangabzeichen oder Orden, sondern eine Ausrüstung zum Dienst. Auch der geistgetaufte Charismatiker kann als Mensch unangenehm auffallen. Er bedarf der Korrektur. Auch er muss der Heiligung nachjagen. Die Erfahrung heiligt ihn nicht, sondern drängt ihn zur Heiligung. Wer dem Drängen des Geistes folgt wird erleben, wie die Frucht des Geistes wächst. Für den Stand in Christus sind nicht die Gaben der Prüfstein, sondern die Frucht.

Für unser Heil ist einzig und allein die Tatsache ausschlaggebend, dass Jesus Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnt und Sein Blut uns von unseren Sünden gewaschen hat. Die Gaben und die Kraftwirkungen sind Hilfen zum Bau der Gemeinde. Alle Geisteserfahrungen sind aber Gnadenerfahrungen unter dem Kreuz. Der Apostel Paulus sagt in Galater 3,13-14: "Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da Er ward ein Fluch für uns... auf dass der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Jesus Christus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben." Hier wird der Zusammenhang Kreuz Geisteserfahrung dargestellt. Erkenntnis der Gnade macht nicht stolz, sondern demütig und dankbar.

Ich weiß, dass es leider auch unter Pfingstgläubigen einige gibt, die das falsch sehen, Ihre Geisteserfahrungen missbrauchen sie, um sich selber auf ein höheres Podest zu stellen. Das sind Einzelgänger. Ihre falsche Einstellung ist der Grund, weshalb sie nicht in der Lage sind, sich in einer Gemeinde oder Bruderschaft einzuordnen. Schuld an dieser Haltung ist aber nicht die Erfahrung, sondern der Wandel im Fleisch, das heißt der Mangel an Heiligung.

Die Geistestaufe ist nicht die Gabe der Gotteskindschaft, sondern eine Gabe an Gotteskinder. Es gibt nicht mehr Heil als die Gotteskindschaft, aber es gibt mehr Segnungen und Verheißungen für Gotteskinder als die meisten bis heute erlebt haben. Jesus hat immer noch mehr, und aus Seiner Fülle dürfen wir schöpfen, dürfen davon trinken und dürfen davon weitergeben.

Wir erreichen nicht eine höhere Heilsstufe mit einer Erfahrung der Geistestaufe, sondern ein tieferes Eindringen in das Heilserbe, das Christus uns am Kreuz erworben hat.

Die Verheißung der Geistestaufe ist keine abgegoltene Verheißung. Jesus ist heute noch der, der mit Geist und Feuer tauft. Wir haben keine Hemmungen zu sagen: Wir glauben an Jesus, den Täufer mit Geist und Feuer. Die Geistestaufe ist eine Erfahrung, die auf Grund des Glaubens geschenkt wird. Das Zentrum des Glaubens ist Jesus.
Wenn Sie, lieber Leser, die Erfahrung der Geistestaufe noch nicht gemacht haben, sollten Sie sich durch keine angeblichen theologischen Scheinargumente abhalten lassen, danach zu suchen und darum ernstlich zu bitten. Jesus will auch Sie mit Geist und Feuer taufen und hineinführen in neue, tiefere und noch gewaltigere Erfahrungen mit dem Heiligen Geist.


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